Zwischen Transmigration und Toleranz

Trotz der Gegenreformation blieben weite Teile der Bevölkerung ihrem Glauben als „Geheimprotestanten" treu. Sie feierten ihre Gottesdienste auf entlegenen Almen oder in der „Kalmooskirche", einer Höhle am Kalmberg. Viele Familien sahen sich zur Auswanderung gezwungen: Allein zwischen 1734 und 1737 verließen 387 Goiserer ihre Heimat, um in der Gegend um Hermannstadt im rumänischen Siebenbürgen ein neues Leben zu beginnen. Erst das Toleranzpatent, das Kaiser Joseph II. 1781 erließ, beendete die grausame Zeit der Gegenreformation: Auch die Goiserer konnten nun eine evangelische Kirchengemeinde gründen, die schon ein Jahr danach 1117 Personen umfasste.

Man baute ein einfaches Bethaus aus Holz, das in den Jahren 1813 bis 1816 durch einen neuen Massivbau ersetzt wurde. Evangelische Bethäuser durften damals weder einen straßenseitigen Eingang noch einen Turm haben. An das auferlegte Verbot vom 9. Juni 1812, Fenster und Türen des Bethauses mit Rundbögen zu verzieren, damit das Gebäude kein kirchenähnliches Aussehen erhalte, hielten sich die Goiserer allerdings nicht. Die heutige Kirche stammt aus den Jahren 1813 bis 1816; der Turm kam erst 1857 dazu.

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